Bauindustrieverband und BAU ABC starten gemeinsames Programm gegen Fachkräftemangel
Die Bauwirtschaft in Niedersachsen und Bremen steht unter Druck: Jährlich scheiden rund 20.000 Fachkräfte altersbedingt aus, doch es beginnen nicht einmal 12.000 Auszubildende eine Karriere im Bau. Knapp ein Drittel von ihnen bricht die Lehre zudem vorzeitig ab. Die Folgen sind spürbar: Projekte verzögern sich und Bauunternehmen stoßen an ihre Grenzen.
Um gegenzusteuern, haben der Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen und das BAU ABC nun ein gemeinsames Ausbildungsprogramm gestartet. Im August sind die ersten 13 Auszubildenden aus Usbekistan in Mellendorf angekommen. Sie bilden den Auftakt einer langfristigen Initiative, die Betriebe entlasten und die Fachkräftelücke schließen soll.
„Wir brauchen verlässliche Zuwanderung in die Bauwirtschaft, sonst geraten zentrale Infrastrukturprojekte ins Stocken“, warnt BAU ABC Geschäftsführer Moritz Lohe. „Mit unserem Ansatz verbinden wir politische Unterstützung, praxisnahe Ausbildung und enge Betreuung.“
Ein Grillnachmittag als Willkommens-Signal
In einer der Lehrhallen des BAU ABC in Mellendorf wurden die jungen Männer herzlich empfangen. Bei einem geselligen Grillnachmittag lernten die Auszubildenden erstmals ihre Ausbilder sowie Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Bauunternehmen kennen. „Wir brauchen euch und wir freuen uns sehr, dass ihr da seid“, betonte Jörn P. Makko, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes.
Die Unternehmen zeigten beim Empfang klare Haltung: Mit Arbeitskleidung, Sicherheitsschuhen, Helmen, Werkzeug und Freizeitkleidung erhielten die neuen Auszubildenden ein komplettes Willkommenspaket. „Wir sind sehr begeistert von den beiden jungen Männern, die ihre Ausbildung bei uns begonnen haben. Ihre Deutschkenntnisse sind schon sehr gut, noch wichtiger aber ist ihre Offenheit und die Freude auf die Ausbildung“, sagte Jutta Beeke, Geschäftsführerin der Firma Echterhoff.
Strukturierte Ausbildung und Betreuung
Die Auszubildenden verbringen ihr erstes Jahr ausschließlich im BAU ABC am Standort Mellendorf. Dort erwerben sie grundlegende Kenntnisse des deutschen Bauens, ergänzt durch Praxisphasen am zweiten Ausbildungsstandort in Rostrup. Danach wechseln sie in ihre Unternehmen.
Für das Projekt wurden die Unterkünfte des BAU ABC modernisiert: Aus Doppelzimmern ohne Küche wurden eigenständige Wohneinheiten mit Küchenzeilen. So können die Auszubildenden selbst kochen. Zusätzlich begleitet eine feste Betreuungskraft den Alltag der Gruppe und organisiert Sprachförderung sowie Freizeitaktivitäten. Die fachliche Ausbildung wird ergänzt durch Deutschkurse auf B2-Niveau.
Neue Abteilung „Recruiting-Service“
Koordiniert wird das internationale Engagement durch die neu gegründete Abteilung „Recruiting-Service“ des BAU ABC. Sie bündelt Berufsorientierung, Betriebspartnerschaften, Sprachförderung und Integration. „Mit unserer neuen Abteilung schaffen wir Strukturen, die Nachwuchskräfte frühzeitig fördern, Betriebe entlasten und Begeisterung für die Bauwirtschaft wecken“, so Lohe.
Perspektive: 200 Auszubildende pro Jahr
Die Kooperation geht auf die Firma Günther Papenburg zurück, die bereits seit 2020 junge Menschen aus Usbekistan für eine Bauausbildung nach Deutschland holt. Nun wird der Ansatz auf einen größeren Kreis ausgeweitet. Neben Papenburg beteiligen sich unter anderem Echterhoff, Hoth Tiefbau, Meyer und Bull, Stehnke sowie Strabag.
Aktuell gibt es noch keine staatliche Förderung, anders als bei den niedersächsischen „Welcome-Centern“, die Fachkräfte aus Marokko, Kolumbien und Indien unterstützen. Makko hofft jedoch, dass Usbekistan bald ebenfalls in das Programm aufgenommen wird.
Die Ziele sind ehrgeizig: Innerhalb von fünf Jahren sollen bis zu 200 junge Menschen aus Usbekistan jährlich eine Ausbildung in der Bauwirtschaft Niedersachsen-Bremen beginnen. Damit positioniert sich die Branche klar in einem nationalen Trend – denn ohne Fachkräfte aus Drittstaaten wird die deutsche Bauwirtschaft den steigenden Bedarf nicht decken können.